Igor Piwnjuk

 

 

 

  Was ist mit meinem Leben passiert ?

  Ich wurde in eine gute Familie hineingeboren, die aus dem Vater, der Mutter und der älteren Schwester besteht. Ich war ein lebensfrohes und lebendiges Kind. Meinen Eltern versprach ich, immer gehorsam zu sein und gut zu lernen. Es klappte oft nicht, dann musste ich in der Ecke hinter dem Kühlschrank knien, oft mit erhobenen Armen, auch mit dem Fleischwolf in der Hand. Dennoch war ich auf die Eltern nicht böse, weil ich wusste, das ich ungehorsam und unartig gewesen war.

  Als Jugendlicher kam ich manchmal von der Schule und wenn die Mutti gerade schlief, machte ich Ordnung in der Wohnung. Dafür bekam ich immer ein Lob, das hat mir sehr gefallen. Mein Vater brachte mir nach der Arbeit manchmal belegte Brote mit und sagte, dass es vom Häschen sei.

  Seit der achten Klasse begann ich Alkohol zu trinken. So fing mein „sorgloses“ Leben an. Ich dachte, ich kann alles. Ich kann mich erinnern, wie ich mit den Eltern ins Dorf fuhr, ich habe absichtlich den Bus verpasst, der Vater wartete bei den Großeltern auf mich, ich habe ordentlich Dresche bekommen für mein Rühmen, sodass ich überall Narben hatte. Wenn ich daran denke, so kommt Bitterkeit in mir hoch.

  Mit der Zeit begann ich Rauschgift zu nehmen, Alkohol war nur noch am Rande interessant. Ich begann zuhause Geld und wertvolle Sachen zu stehlen. Von meinem 20. bis 28. Lebensjahr war mein Leben voll Dunkelheit. Ich lebte ohne Durchblick und Verständnis davon, wer ich bin oder wofür ich überhaupt da bin. Ich lernte so zu lügen, dass ich selbst meinen Lügen glaubte. Mit jedem Tag hasste ich mich selbst mehr und mehr, macht aber alle andere Menschen dafür verantwortlich. Zweimal habe ich mich kodieren* lassen. Meine Eltern sprachen wehmütig zu mir: „Womit können wir dir helfen? Es tut uns weh, zu sehen, wie du dich umbringst.“ Die Eltern beteiligten die Verwandtschaft an den Hilfsaktionen, brachten mich zu Zauberern, aber das half alles nur für eine kurze Zeit. Ich machtemit, um die Eltern zu beruhigen.

  Eines Abends, nach einem Saufgelage, war ich mit meinen Freunden spazieren. Wir kamen an einem Platz vorbei, wo Mädchen saßen. Ich setzte mich zu ihnen und begann ein Gespräch. Ich konnte nicht ahnen, dass eine von ihnen später meine Frau werden sollte, denn wir wollten ja nur unseren Spaß mit ihnen haben. So begannen meine Begegnungen mit Tanja. Mit den Jungs waren wir unterwegs um Geld zu verdienen und haben diese Gelegenheit aber auch genutzt, um noch mehr Rauschgift zu konsumieren. Ich fühlte mich genötigt, Tanja die Wahrheit über mein Leben zu sagen. Sie entschloss sich, mir zu helfen. Wir sind zum Batjuschka Oleksandr gefahren und zu Zauberern, aber das war nur alles eine kurzfristige Lösung. Meine Schwester erzählte uns, dass es eine Kirche gibt, die mir bei meinem Problem helfen kann. Wir gingen hin, ein Gespräch fand statt und am Sonntag gingen wir zur Versammlung. Ich konnte oder wollte nichts verstehen. Ich machte alles nur, um die Meinen zu beruhigen. Mein Leben wurde immer krimineller: nächtliche Überfälle auf Menschen, Nachtleben und Polizeiprobleme. Tanja wurde nicht müde, mich aufzufordern, mein Leben zu ändern. Ich betrachtete mein Leben und beschloss noch mal zur Gemeinde zu gehen. Dort wurde mir die Möglichkeit angeboten, ein Rehazentrum zu besuchen. Ich nahm diese Möglichkeit nicht richtig wahr, denn ich habe alles für jemand anderes, aber nicht für mich getan. Der Unterricht, die Predigten und die Belehrungen habe ich gehört, ich bat auch um Vergebung, aber erfüllte nur eine Form und nahm nichts für mich mit.

  Tanja und ich heirateten, ein Sohn kam zur Welt. Ich lebte teils mit Gott, teils mit der Welt. Wenn ich Gott gehorsam war, dann gab es in der Familie Verständnis, Frieden und Liebe, war ich weltlich, dann gab es Unfrieden, Zank und Streit.

  Es kam der Moment, als ich nicht mehr so weiterleben konnte. Ich verstand, dass ich mich richtig bekehren, von ganzem Herzen um Vergebung bitten, meine Sünden bekennen, für meinen Unglauben und Betrug um Vergebung bitten muss. Ich hörte von Krasne und entschloss mich, dorthin zu fahren, um ein neues Leben mit Gott zu beginnen, dass sein Willen in meinem Leben alles bestimmt.

  In meinem Leben fanden wirkliche Veränderungen statt, die nur Gott vollbringen kann. Ich durfte meine Sünden bekennen und tief bereuen, besonders die Schmerzen, die ich meinen Angehörigen – meinen Eltern, meiner Frau – bereitet hatte. Ich bin Gott für das Rehazentrum dankbar, wo er mir gezeigt hat, welchen Schmerz ich ihm angetan habe mit meinem Misstrauen, Eigensinn und Ungehorsam. Aber der Teufel schläft nicht und schießt seine feurige Pfeile. Aber ich habe mein Leben Gott anvertraut, er behütet mich und hilft. In meinem Herzen sind noch Spuren von meinem sündhaften Leben, von meiner List, meiner Unaufrichtigkeit oder meinem Egoismus – nur für mich, nur ich. Aber Gott gibt mir Kraft. Wenn jemand über mich etwas sagt oder gegen mich tut, so gibt er mir die Kraft, alles zu vergeben und zu vergessen. Ich habe noch Stolz in mir, auch das Begehren meines Fleisches, aber Gott gibt mir die Kraft und auch die Geistesrüstung, um den Kampf zu führen.

  Was möchte ich tun?

  Ich möchte wirklich die tiefsten Wurzeln meines Versagens erkunden. Ich möchte den richtigen Weg eines geistigen Lebens finden, dass ich Gott nicht mit 80% vertraue, nicht mit 90%, sondern mit 100%, weil das der Wille Gottes ist, dass ich ihm wie ein Sohn gehöre. Ich möchte lernen gehorsam und demütig zu sein, ich möchte mit seinen Augen sehen können, um so zu leben, wie ER es möchte. Deswegen bin ich ins Rehazentrum gekommen, um einen Neubeginn zu machen. Ich bin meines alten Lebens müde und vom Versteck spielen mit Menschen und Gott. Ich möchte Frieden und Liebe im Herzen haben. Deswegen habe ich Buße getan, bat Brüder für mich zu beten, dass ich in Jesus ein neues Leben führen kann und sein Opfer schätze. Was möchte ich mit meinem Tun erreichen? Ich möchte den Segen Gottes für mein Leben erhalten und mit meinem Handeln seinen heiligen Namen verherrlichen. Ich möchte, dass mein Leben eine Predigt von Jesu Liebe ist und dass Gottes Wohlgefallen auf mir ruht. Das ist das Sehnen meines Herzens. Wie ich das erreichen kann, lege ich in die Hand Gottes. Ich weiß, dass es auf dem Weg der Erkenntnis Schwierigkeiten geben wird. Aber ER hat einen Weg für mich und diesen möchte ich gehen. Ich wünsche mir, dass Gott mich als seinen Freund bezeichnet und deshalb muss ich gehorsam sein. In einem Lied singen wir die Worte "Без пастиря, Спасителя, мені важко на шляху" – „ohne den Hirten, den Erretter, ist es so schwer zu gehen“ .

  * Kodieren: psychotherapeutische Methode zur Behandlung von Alkoholismus.